Für eine Gemeinschaftsschule: Individuelle Förderung und Lernen ohne Druck

Allgemein

Pressemitteilung der SPD-Landtagsfraktion vom 25.10.2010

Für eine Gemeinschaftsschule: Individuelle Förderung und Lernen ohne Druck
Hans-Ulrich Pfaffmann stellt in heutiger Pressekonferenz SPD-Gesetzentwurf vor

„Die Gemeinschaftsschule ist keine Einheitsschule, sondern eine Schule der Zukunft, die auch das Schulsterben in der Region verhindern kann. Wir wollen nicht alle anderen Schularten abschaffen, sondern die Gemeinschaftsschule zusätzlich als Alternative für die Schüler und Eltern anbieten – dies ist der bessere Weg," betonte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Hans-Ulrich Pfaffmann, in einer heutigen Pressekonferenz im Landtag bei der Vorstellung eines SPD-Gesetzentwurfes zur Einführung der Gemeinschaftsschule in Bayern.

Bisher dominiere der „Sortierauftrag" im dreigliedrigen bayerischen Schulsystem und nicht die individuelle Förderung. In der Gemeinschaftsschule würde dies in den Vordergrund und die Lehrpläne auf die Kinder abgestellt. Es gebe dann ein „Lernen ohne Brüche" und ohne Druck in einer Kultur des Miteinanders. Da die Schüler bis zu ihrem ersten Schulabschluss zusammen blieben, entfällt das bisher übliche Übertrittsverfahren mit all seinen Problemen. Pfaffmann: "Die soziale und pädagogische Ungerechtigkeit mit dem ‚Grundschulabitur' in der vierten Klasse – die Kosten für die Nachhilfe kann sich schließlich nicht jeder leisten - wird es dann nicht mehr geben."

Die Lehrkräfte nehmen in der Gemeinschaftsschule die Rolle des Lernbegleiters ein und stehen den Schülerinnen und Schülern als Experten mit Rat und Tat zur Seite. Die neue Rolle der Lehrkräfte schafft Zeit und Freiräume, die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Lernweg zu unterstützen. Pfaffmann: „Ziel muss sein, dass die Schülerinnen und Schüler aktiv in den Lernprozess eingebunden sind. Stures Pauken ist für ein nachhaltiges Lernen kontraproduktiv, Sitzenbleiben gibt es nicht in der Gemeinschaftsschule."

Es gebe keine notendifferenzierte Einstufungen in besondere Klassen. Jede und jeder erhält das Lernangebot, das für ihn am besten passt. Auch die Starken müssen sich jetzt nicht mehr langweilen oder müssen nur mit „halber Kraft fahren". Nicht das Lernen auf Schulaufgaben stehe im Mittelpunkt, sondern der nachhaltige Wissens- und Kompetenzerwerb. „Die notwendigen Leistungsfeststellungen berücksichtigen den gesamten Lernprozess und beziehen die gesamte Persönlichkeitsentwicklung ein. Damit treten die Noten in den Hintergrund. Eltern haben ein verstärktes Mitsprache- und Mitwirkungsrecht," so der SPD-Bildungsexperte.

Gemeinschaftsschulen funktionieren durch ihr innovatives pädagogisches Konzept in Einheiten ab 100 Schülerinnen und Schülern. Das heißt, die Kinder können bis zur 10. Klasse in ihrem Heimatort zur Schule gehen. Pfaffmann: „Das rettet viele Standorte – und freut die Bürgermeister, die in die Schulen investiert haben und diese nun nicht aufgeben müssen."

Weil es die Gemeinschaftsschule in Bayern (noch) nicht gibt, wird sich die SPD-Landtagsfraktion an der Entwicklung eines Referenzmodells beteiligen. Es ist gelungen, mit Dr. Ernst Rösner den in Deutschland renommiertesten Schulentwickler an Bord zu holen. Er hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schulentwicklungsinstituts an der Dortmunder TU die sehr erfolgreichen Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein entwickelt.

In Denkendorf und Kipfenberg im Landkreis Eichstätt fand die SPD-Landtagsfraktion zwei Gemeinden, die ihren Schulstandort nicht kampflos aufgeben wollen. Gemeinsam will man in den nächsten zwei Jahren ein Schulkonzept mit realistischen Zahlen und unter Einbezug der regionalen Besonderheiten von A bis Z durchplanen, das für weitere Modellregionen als Muster dienen kann.

Pfaffmann: „Das pädagogische Konzept wird deutlich machen, wie auf der Basis der individuellen Förderung unter Einbezug von Lehrkräften aus allen Schularten ein höchst anspruchsvolles Schulangebot entwickelt wird, das am Ende der Schulzeit den Jugendlichen alle Möglichkeiten eröffnet, den Quali wie den echten Realschulabschluss wie den Durchstieg in die gymnasiale Oberstufe. Allein dieses Angebot unter einem Dach wird von den Eltern nachgefragt werden und verzichtet gleichzeitig auf das Einsortieren Zehnjähriger in verschiedene Schularten."

Den Gesetzentwurf der SPD zur Einführung der Gemeinschaftsschule können Sie hier nachlesen.

 
 

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